Änderungen im Pferdekaufrecht
1|Zum Verständnis: Regelungen des Viehkaufrechts bis zum 31.12.2001

Bis Ende letzten Jahres wurden alle Personen, die an einem Pferdekauf teilnahmen, den gleichen gesetzlichen Regelungen unterworfen: egal, ob der Käufer/Verkäufer Hobbyzüchter, Betreiber eines Berittstalls, Profireiter oder Freizeitreiter war. Für Kaufverträge über Rinder, Schweine, Schafe und Pferde galten andere Rechte als bei Kaufverträgen über Konsumgüter oder Kleintiere.

Lag ein Mangel vor, so galt nicht die übliche Gewährleistungsfrist von sechs Monaten, sondern der Mangel musste binnen 14 Tagen ab Erhalt des Pferdes angezeigt werden. Wurden Käufer und Verkäufer hinsichtlich der Rücknahme des Pferdes nicht einig, so hatte der Käufer nach Ablauf dieser Frist nur sechs Wochen Zeit, seinen Gewährleistungsanspruch gerichtlich geltend zu machen. Auch konnte der Käufer bei Vorliegen eines Mangels keine Minderung des Kaufpreises verlangen, sondern nur die Wandlung des gesamten Vertrages.
Hatten bei einem Viehkauf die Parteien nichts Ausdrückliches vereinbart, so haftete der Verkäufer von Pferden, Rindern, Schweinen u. Schafen gesetzlich nur für so genannte Hauptmängel und dieses nur dann, wenn sie sich innerhalb einer Gewährsfrist von 14 Tagen ab Übergabe zeigten.
Hauptmängel nach dem Gesetz gemäß § 481 BGB a.F. (alte Fassung) wurde in der Kaiserlichen Viehmängel-Verordnung (ViehMVO) von 1899 geregelt:

Bei Pferden waren das Rotz, Dummkoller, periodische Augenentzündung, Dämpfigkeit, Kehlkopfpfeifen und Koppen. Weitergehende Ansprüche hatte der Käufer nur, wenn ausdrücklich der Verkäufer für weitere Eigenschaften des Pferdes einstehen wollte ("zuchttauglich, L-Dressur geeignet") oder ausdrücklich weitere Mängel ausschloss.("Das Pferd hat keinen Spat"). Der Käufer musste also beweisen, dass

  • der Ausschluss eines Nebenmangels vereinbart bzw. eine bestimmte Eigenschaft zugesichert wurde und
  • der Mangel oder das Fehlen der zugesicherten Eigenschaft bei Übergabe des Pferdes vorlag.

Nach Ablauf dieser Frist verlor der Käufer seine Rechte. Eine längere Frist, also die Möglichkeit, Rechte wegen Gewährleistung aus dem Kauf darüber hinaus geltend zu machen, war nur möglich, wenn der Käufer dem Verkäufer ein arglistiges Verhalten nachweisen konnte ("Rosstäuscher"), bspw. die Behandlung des Pferdes mit schmerzstillenden Medikamenten beim Proberitt. Dann verlängerte sich die Frist zur Geltendmachung des Mangels von acht Wochen auf ein Jahr ab Kenntnis.

 

2|Gründe für die gesetzlichen Änderungen ab dem 01.01.2002

Diese Regelungen über den Viehkauf waren über 100 Jahre alt. In der Kaiserlichen Viehmängelverordnung wurden vor allem Regelungen über Nutz- und Zuchttiere getroffen, die auch zum Verzehr gezüchtet wurden (§ 2 ViehMVO: "Pferde, Esel, Maulesel, Maultiere, Rindvieh, Schafe und Schweine").

Schon seit langem wurde von Fachleuten (Tierärzte, Sachverständige, Lebensmittel-Kontrolleure) darauf hingewiesen, dass die in der ViehMVO genannten Hauptmängel nicht mehr aktuell sind. Bei Pferden kommt Rotz (tuberkulöse Erkrankung, Lungenseuche) oder Dummkoller (krankhafte Veränderung des Gehirns) kaum noch vor, weitere als Hauptmängel angeführte Krankheiten sind in der Regel bei einer Ankaufsuntersuchung sofort zu erkennen.

Spätestens durch das Auftreten von BSE und Scrapie (Traberkrankheit) in den 90er Jahren musste der Begriff der Viehmängel generell neu definiert werden. Denn diese stellten nach der Kaiserlichen ViehMVO keine Hauptmängel dar und lösten bei Vorliegen nur dann einen Gewährleistungsanspruch aus, wenn ausdrückliche vertragliche Vereinbarungen hierüber getroffen wurden.

Aktuelle wirtschaftlich bedeutende und bislang nicht geregelte Erkrankungen im Pferdekauf, die viel häufiger auftreten als die oben erwähnten Hauptmängel sind chronische Lahmheiten (Spat, Hufrolle) und Lungenerkrankungen sowie bei Zuchtstuten Fruchtbarkeitsstörungen. Auch diese lösten nur dann Gewährleistungsrechte aus, wenn bei Vertragsabschluss besondere Vereinbarungen hierüber getroffen wurden ("Das Pferd ist frei von Krankheiten").

Zudem werden Pferde heute ganz überwiegend nicht mehr als Nutztiere, sondern aus Liebhaberei gehalten. Dass der Pferdekauf anderen Regelungen unterliegen soll als der Kauf eines Hundes, ist nach heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar.

Gründe für die Neuregelung des Tierkaufes lagen zum anderen in der Harmonisierung der Gesetze der EU-Mitgliedsstaaten. Diese mussten die so genannte Verbraucherrichtlinie der EU zum 01.01.2002 in das jeweilige Landesrecht umsetzen, die den Verbrauchern (Privatkäufern) stärkere Rechte zubilligt. Die Umsetzung dieses EU-Rechtes zeigt sich heute im Alltag bspw. durch die Veränderungen der Gewährleistungsfristen beim Kauf von Konsumgütern von sechs Monaten auf zwei bzw. ein Jahr.

Der Deutsche Gesetzgeber war also gezwungen, zumindest bei Kaufverträgen zwischen Unternehmer (Züchter, Pferdehändler) und Verbraucher Neuregelungen zu schaffen. Im Zuge der Neugestaltung des Bürgerlichen Gesetzbuches schaffte er die Regeln über den Viehkauf insgesamt ab. Somit gilt ab dem 01.01.2002 sowohl für Unternehmer wie für Verbraucher neues Recht.

 

3|Das neue Gewährleistungsrecht für Verträge ab dem 01.01.2002

Für den Pferdekauf gilt nunmehr das allgemeine Gewährleistungsrecht für Verbrauchsgüter, wie es auch beispielsweise für Autos oder Stereoanlagen gilt:

1. Mängel

Mängel wie in der Kaiserlichen ViehMVO werden im Gesetz nicht mehr definiert. Was jetzt ein Mangel im Pferdekauf ist, richtet sich danach, was die Parteien gewollt haben und ob diese vereinbarte Beschaffenheit bei Übergabe des Pferdes vorlag.

Statt des Ausschlusses eines Mangels ist nun die Beschreibung des veräußerten Pferdes entscheidend.

  • Hat das Pferd die vereinbarte Beschaffenheit (Alter, Abstammung, Springtauglichkeit, Geländesicherheit, verladefromm),
  • eignet es sich für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung (Zucht, Freizeitreiten, Tunierreiten bis Klasse M), § 437 I 1 BGB,

oder

 

wenn keine Art und Weise der Beschaffenheit ausdrücklich vereinbart wurde, ist ausschlaggebend, dass es sich für die gewöhnliche Verwendung eignet und die Beschaffenheit aufweist, die bei Tieren gleicher Art üblich ist un die der Käufer somit nach der Art des Tieres erwarten kann, §437 I 2 BGB. Bei dieser Beurteilung spielt der Kaufpreis eine entscheidene Rolle (Negativbeispiel: kein gesundes, leistungsbereites M-Dressurpferd für 3.000 €).

und

 

liegen diese Eigenschaften bei der Übergabe vor, so ist das Pferd mangelfrei.

Es empfiehlt sich daher in Zukunft, die zwischen den Parteien vereinbarte Beschaffenheit des Pferdes schriftlich in einem Kaufvertrag festzuhalten. Die Beschaffenheit sollte sich auf den Gesundheitszustand und den Ausbildungszustand erstrecken.

 

2. Was ist die vereinbarte Beschaffenheit?

 

Sinnvoll ist es also, den Kaufgegenstand, also das Pferd umfassend zu beschreiben und diese Merkmale in den Kaufvertrag schriftlich festzuhalten. Neben dem Alter, Abstammung, Farbe ect. sollten folgende Merkmale festgehalten werden:

Anwaltstipp:

a) Vereinbarung über den Gesundheitszustand:

Eine tierärztliche Kaufuntersuchung sollte unbedingt Vertragsbestandteil in dem Sinne werden, dass der Kaufvertrag dann nicht zustande kommt, wenn das Pferd die Untersuchung nicht passiert (aufschiebend bedingter Kaufvertrag). Das Untersuchungsprotokoll des Tierarztes muss dann Vertragsbestandteil des Kaufvertrages werden. Werden Beeinträchtigungen des Pferdes bei der Untersuchung aufgedeckt und erwirbt der Käufer das Pferd trotzdem, so kann er sich im Nachhinein nicht mehr auf diesen Mangel berufen. Daher ist es nunmehr vornehmlich im Interesse des Verkäufers, eine tierärztliche Untersuchung in Auftrag zu geben. Den Umfang der Untersuchung müssen die Vertragsparteien vereinbaren.
Es gilt: Je umfangreicher die Untersuchung, desto leichter kann ein Streit zwischen den Parteien entscheiden werden.

 

Formulierungsbeispiel im Kaufvertrag:

"Das Protokoll der Kaufuntersuchung von Dr. vet... wird ausdrücklich Bestandteil dieses Kaufvertrages und legt die vertragsgemäße Beschaffenheit des Pferdes Wotan XYZ fest."

b) Vereinbarung über den Ausbildungsstand:

Es sollte zusätzlich im Vertrag der aktuelle Ausbildungsstand des Pferdes festgehalten werden. Hierzu sollten insbesondere bei Tunierpferden Nachweise aus der Vergangenheit (Scheckheftkopie) dem Vertrag beigefügt werden.

Abzuraten sind aus Sicht des Verkäufers Angaben, die in die Zukunft reichen ("Das Pferd ist im M-Springen einsetzbar"). Ob das Pferd mit dem neuen Besitzer einen solchen Parcour bewältigt, ist ungewiss.

Werden solche Vereinbarungen über die Beschaffenheit des Pferdes nicht vertraglich aufgenommen, so wird die Geltendmachung von Mängeln für den Käufer schwieriger, denn im Streitfall ist es schwierig, die Eignung für die gewöhnliche Verwendung bei Sportpferden zu bestimmen. Im Gegensatz zu Sachen wie Autos oder Stereoanlagen gibt es hier keine messbaren, allgemeingültigen Daten.

Es ist also ein Umdenken bei dem Verkäufer erforderlich: Je mehr Mängel im Vertrag festgehalten werden, desto sicherer ist der Verkäufer, dass er bei einem Kauf wegen der festgehaltenen Beeinträchtigungen später nicht in Regress genommen werden kann
  

3. Werbeaussagen:

Neu ist auch die Haftung des Verkäufers für Werbeaussagen. Inseriert der Verkäufer:

"Der Kracher für die nächste Saison, mit dem sind Sie immer plaziert", so geht eine solche Aussage über eine unverbindliche Anpreisung hinaus und begründet bei Nichtvorliegen dieser Aussage ebenfalls Gewährleistungsrechte.

4. Wer muss was beweisen?


In der Regel gilt: Wer Ansprüche stellt, muss die anspruchsbegründende Tatsache beweisen. Ist das Pferd lahm, so muss der Käufer beweisen, dass das Pferd bereits bei Übergabe lahm war.

An dieser Beweisregel, die auch im alten Recht galt, ändert sich bei Kaufverträgen zwischen Privaten, zwischen Unternehmern sowie zwischen einem Privaten als Verkäufer und Unternehmer als Käufer nichts.

Neu ist die so genannte Beweislastumkehr bei Kaufverträgen zwischen Verkäufern, die gewerblich handeln (Unternehmer) und Privaten!

Hier gilt ab Übergabe des Pferdes in den ersten sechs Monaten bei Auftreten eines Mangels die Vermutung, dass der Mangel bereits bei Übergabe vorlag! Es ist dann Sache des Verkäufers, den Gegenbeweis anzutreten, dass das Pferd bei Übergabe die vereinbarte Beschaffenheit aufwies.

Nach Ablauf der ersten sechs Monate gilt für die weitere Gewährleistungsfrist wieder die allgemeine Beweislastverteilung.

Auch hier herrscht derzeit noch eine Rechtsunsicherheit, ob in dem Fall, dass das Pferd als eine "gebrauchte Sache" angesehen wird, diese Vermutungsregel zu Lasten des Verkäufers mit der Eigenschaft des "Kaufgegenstandes", einem Lebewesen, vereinbar ist.


5. Welche Rechte hat der Käufer bei Vorliegen eines Mangels?

 

Auch bei den Gewährleistungsrechten ergeben sich Neuerungen. Der Käufer kann nicht mehr wie bisher sofort vom Vertrag loskommen. Es wurde ein Zweistufensystem eingeführt:

Stufe 1:

Der Käufer kann nicht sofort die Rückgängigmachung des Kaufvertrages oder Minderung des Kaufpreises verlangen. Er muss zuerst Nacherfüllung, d.h. die Beseitigung des Mangels oder Ersatzlieferung verlangen.
Die Nacherfüllung kann durch den Verkäufer erbracht werden durch Hingabe eines - aus Sicht beider Parteien - gleichwertigen Pferdes, was in der Praxis kaum machbar ist, oder durch Nachbesserung. Bei der Nachbesserung muss der Käufer dulden, dass der Verkäufer zuerst innerhalb einer angemessenen Frist versucht, den Mangel zu beheben.
Beispielsweise kann der Verkäufer ein hustendes Pferd in seinem Stall auskurieren, oder ein Springpferd, das nicht wie vereinbart springt, in Beritt geben.

Stufe 2:

Erst, wenn eine Nacherfüllung erfolglos war, der Verkäufer eine Nacherfüllung verweigert, diese nicht möglich oder unzumutbar ist, stehen dem Käufer weitere Rechte zu:

Ist im Kaufvertrag nichts vereinbart, hat der Käufer

  • Anspruch auf Minderung des Kaufpreises (auch bei einem unerheblichen Mangel)           

oder
 

  • Anspruch auf Rückabwicklung des (nur bei Vorliegen eines erheblichen Mangels)           

und daneben:

  • Anspruch auf Schadenersatz oder
  • Anspruch auf Ersatz vergeblicher Aufwendungen (Fahrtkosten, Unterstellung)


Beispiel:

Die tunierunerfahrene B kauft beim Profireiter und Pferdehändler V ein Springpferd, das bereits nachweisbar L Springen gewonnen hat. B teilt in den Verkaufsverhandlungen mit, dass sie mit diesem Pferd die nächsten Monat beginnende Tuniersaison mitreiten möchte. V versichert, das Pferd sei für jeden Tuniereinsteiger zu reiten und ginge locker A/L Springen. B kommt mit dem Pferd zuhause nicht zurecht, das Pferd verweigert ständig am Sprung. Nach einem Monat teilt B dem V dieses mit und möchte das Pferd zurückgeben.

Hier liegt ein so genannter Verbrauchsgüterkauf vor, da V gewerblich und B als Privatperson handelt. Der Nachweis, dass das Pferd sicher am Sprung ist, obliegt V (!). Er kann das Pferd also erst einmal zurücknehmen und "nachbessern", indem er es z.B. auf seine Kosten bereiten lässt. Da er (unter Zeugen) zugesichert hat, dass das Pferd von jedem Tuniereinsteiger zu reiten ist, wird es für V schwer sein, zu beweisen, dass das Pferd bei jedem anderen Tuniereinsteiger problemlos springt. Gelingt es dem V nach einer vereinbarten Berittzeit (angemessene Frist) nicht, dass Pferd so umzustellen, dass es mit B einen L-Parcour bewältigt, ist B zur Rückgabe des Pferdes gegen Erstattung des Kaufpreises berechtigt. Desweiteren hat V die bei ihr entstandenen Kosten für Einstellung, Fahrtkosten ect. zu tragen.


6. Verjährung:

Wenn ein Anspruch wegen Gewährleistung verjährt ist, kann er nicht mehr gerichtlich geltend gemacht werden. Die regelmäßige Verjährung von Gewährleistungsrechten aus einem Kaufvertrag beträgt zwei Jahre nach Ablieferung. Bei gebrauchten Sachen lässt der Gesetzgeber eine Gewährleitungsfrist von einem Jahr genügen. Ob das Pferd als neue oder gebrauchte Sache anzusehen ist, werden die Gerichte zu entscheiden haben. Es ist daher empfehlenswert, im Kaufvertrag die Gewährleitungsfrist auf ein Jahr zu begrenzen.

Bei Kaufverträgen zwischen Privaten oder Unternehmern kann diese Verjährungsfrist auch frei ausgehandelt werden, bei so genannten Verbrauchsgüterverträgen zwischen Unternehmer und Privaten ist dies jedoch nicht zulässig.

Verwendet ein Unternehmer Musterverträge, also eine Vielzahl von Kaufverträgen, gelten die so genannten Allgemeinen Geschäftsbedingungen. In dem Fall kann die Verjährungsfrist nur dann frei vereinbart werden, wenn man das Pferd als eine gebrauchte Sache ansieht.

Formulierungsbeispiel: siehe Tipps für den Verkäufer

 

4|Tipps für den Verkäufer beim Pferdekauf

Der Verkäufer muss grundsätzlich umdenken: Es ist jetzt im Interesse des Verkäufers, bei dem Käufer einen hohen Kenntnisstand von der tatsächlichen Beschaffenheit des Pferdes zu erzeugen. Kennt der Käufer die "Mängel" und kauft das Pferd trotzdem, so kann er sich später nicht mehr hierauf berufen.

1. Der gewerbsmäßige Verkäufer sollte Folgendes beachten:

Zuerst stellt sich die Frage, wann ein Verkäufer gewerbsmäßig handelt:

Ich gehe davon aus, dass der steuerrechtliche Begriff der Beurteilung zugrunde gelegt wird: Danach ist ein Verkäufer dann Unternehmer, wenn er drei oder mehr Pferde im Jahr verkauft.

Bei Verkauf von Pferden an einen anderen Unternehmer kann der gewerbliche Verkäufer:

  • Gewährleistungsansprüche ganz oder teilweise ausschließen.
  • auch andere Folgen individuell vereinbaren.
  • Bei Verkauf an einen Privaten ist ein Ausschluss der Gewährleistung begrenzt möglich! Er sollte im Vertrag:
    • offensichtliche Beeinträchtigungen in den Vertrag mit aufzunehmen ("Das Pferd hat einen leichten Ton");
    • eine tierärztliche Kaufuntersuchung mit in den Vertrag einbeziehen.

Grund: Wegen der neuen Beweisregeln beim Verbraucherkauf kann das Gutachten (je nach im Auftrag gegebenen Untersuchungsumfang) den Verkäufer im Streitfall entlasten, wenn der Käufer in den ersten sechs Monaten Mängel wegen Krankheit geltend macht und bei der Untersuchung kein Befund festgestellt worden war.

Formulierungsbeispiel:

"Das Protokoll der Ankaufsuntersuchung durch den Tierarzt Dr. Müller wird ausdrücklich zum Bestandteil dieses Kaufvertrages gemacht und legt die vertragsgemäße Beschaffenheit des Pferdes Wotan XYZ fest."

Nicht auszuschließen ist seine Einstandspflicht für fehlende "Beschaffenheit des Tieres" bezogen auf die Eigenschaften, die man bei einem Pferd der vereinbarten Preisklasse nach allgemeinen üblicher Anschauung erwarten darf.

die Gewährleistungsansprüche einzugrenzen.

Bei einem Kaufvertrag mit einem Privaten kann das Gewährleistungsrecht nur begrenzt eingeschränkt werden. Möglich ist der Ausschluss sämtlicher Schadensersatzansprüche und Ersatz vergeblicher Aufwendungen, es sei denn, es handelt sich um Schadenersatzansprüche wegen der Beeinträchtigung von Leben und Gesundheit des Käufers.

Formulierungsbeispiel:

"Der Anspruch des Käufers auf Schadensersatz wegen eines Mangels des verkauften Pferdes wird ausgeschlossen. Die Verjährungsfrist für die weiteren Mängel beträgt ein Jahr."

Verkäufer, die gewerblich mit Pferden handeln, müssen darauf achten, dass ihre Verträge den Voraussetzungen für Allgemeine Geschäftsbedingungen entsprechen. Werden in einzelnen Kaufverträgen bestimmte Rechte ausgeschlossen, so kann dieser Ausschluss unter Umständen unwirksam sein mit der Folge, dass die gesetzlichen Regelungen gelten. Es ist daher anzuraten, mit anwaltlicher Hilfe ein Kaufvertragsformular erstellen zu lassen.

 

2. Verkäufer als Privatperson:

 

Ob der private Verkäufer sein Pferd an Private oder Unternehmer verkauft, ist unerheblich. Er kann sämtliche Haftung für Mängel ausschließen. Wird das Fehlen einer vereinbarten Beschaffenheit festgestellt, muss in diesem Fall immer der Käufer beweisen, dass diese Eigenschaft bereits bei Übergabe nicht vorlag.

 

5|Tipps für den Käufer beim Pferdekauf

 Gleich, ob der Käufer als Privatperson oder als Unternehmer den Pferdekauf tätigt:
Auch für ihn ist stets von Vorteil, einen Kaufvertrag schriftlich oder zumindest unter Zeugen abzuschließen und die Beschaffenheit und die geplante Verwendung des Pferdes möglichst umfassend in den Vertrag mit aufzunehmen.

Ein festgestellter Mangel sollte frühzeitig beim Verkäufer angezeigt werden, da in dem Fall, wenn der Verkäufer Unternehmer ist, diesen die ersten sechs Monate ab Übergabe die Nachweispflicht trifft, dass das Pferd dem vertragsgemäßen Zustand entspricht. Zögert der Käufer zu lange, dann muss er beweisen, dass der Mangel bei Übergabe vorlag.

 

6|Tipps für beide Parteien

Es ist immer zu empfehlen, eine Ankaufsuntersuchung zu tätigen und - aufgrund der im Verhältnis zum Kaufpreis und der entstehenden Folgekosten der Pferdehaltung geringen Kosten - eine Blut-/ Dopingprobe vor Ort vom Pferd nehmen zu lassen.

 

7|Eigene Betrachtung der neuen Gesetzeslage

Der Gesetzgeber stellt mit der Neuregelung Lebewesen "Verbrauchsgütern" wie Stereoanlagen und Autos gleich. Das ist als Rückschritt zur 1990 eingeführten Regelung in § 90a BGB zu werten, in der Tiere ausdrücklich rechtlich von Sachen abgegrenzt wurden. Das Tier ist ein Individuum und reagiert auf Veränderungen seines Umfeld bei Umstellung in einen neuen Stall, anderen Futter, Haltungsbedingungen, Bezugspersonen, Reitweisen. Eine allgemeine Verhaltensweise oder "Anleitung" gibt es nicht.

Während die eben genannten Sachen ab dem ersten Tag des Gebrauches kontinuierlich an Wert verlieren, ist ein solide ausgebildetes Spring- oder Dressurpferd erst zwischen dem 10. - 12. Jahr auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit, ein Rennpferd bereits mit drei Jahren. Insofern ist der "Verbrauch" des Tieres mit anderen Verbrauchsgütern nicht vergleichbar.

Damit einhergehend ist die Frage, ob das Pferd nun als "neue Sache" oder als "gebrauchte Sache", bei der die gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahre auf ein Jahr verringert werden kann, einzustufen ist. Nach der hier vertretenen Rechtsauffassung führt aufgrund der Beschaffenheit des "Verbrauchsgutes Pferd" lediglich die Gewährleitungsfrist von einem Jahr zu angemessenen Ergebnissen.

Diese offenen Fragen werden erst durch die Gerichte zu klären sein, die das neue Recht entsprechend anzuwenden haben. Die ersten Urteile werden Ende dieses Jahres erwartet und hier ausführlich erörtert werden.

Von Nutzen ist die neue Gesetzesregelung für Tierärzte, die nunmehr insbesondere von den Verkäufern stärker in Anspruch genommen werden. Die neue Gesetzeslage hat nicht zu einer stärkeren Haftung der Tierärzte geführt.
Auch ein weiterer Aspekt ist für die Veterinäre erfreulich:
Da nach der alten Rechtslage der Käufer nur in seltenen Fällen Ansprüche wegen krankheitsbedingter Mängel des Pferdes gegenüber dem Verkäufer geltend machen konnte, lag es nahe, die Haftung des Tierarztes zu durchleuchten. Wurde eine Ankaufsuntersuchung durchgeführt und wurde festgestellt, dass der behauptete Mangel bereits vor der Untersuchung vorgelegen hatte, so war das erstellte Protokoll des Tierarztes, das Grundlage für die Kaufentscheidung war, fehlerhaft und begründete die Haftung des Tierarztes. Dies war insbesondere der "letzte Notanker" des Käufers, da die Ansprüche gegen den Tierarzt nicht binnen weniger Wochen verjährten.
Da nun die Haftung des Verkäufers ausgedehnt wurde und auch die Gewährleistungsansprüche dem Käufer stärkere Rechte geben als gegen den Tierarzt, ist der Umweg über den Tierarzt nicht mehr notwendig.

B.Raupers
Rechtsanwältin

Quellen: Mitteilungsblatt FN aktuell, Dr. J. Wann
Bundestag Drucksache 14/6040 v. 14.05.2001
E. Fellmer, Pferderechtskunde, 1986
Eikmeier u.a. : Lehrbuch der gerichtlichen Tierheilkunde 1980